Beitrag Fr 8. Mai 2015, 22:08

Müssen Teilchenphysiker Philosophen sein ?

Was mir gerade so durch den Kopf geht...

Wenn man versucht sich ernsthaft mit der aktuellen Quantenmechanik,mit der aktuellen Teilchenphysik zu beschäftigen,kommt man da nicht unausweichlich an einen Punkt,wo man zum Philosophen wird,zum Esotheriker ?


Das ist jetzt keinesfalls irgendwie abwertend gemeint und ich habe ganz im Gegenteil allergrößten Respekt vor den Erkenntnissen der Teilchenphysiker.

Einerseits ist sicher unbestritten,das die Quantentheorie eben einfach funktioniert,sei es bei der GPS Ortung,beim Transistor,bei alles Ics,allen Computern,bei dem Laser in meinem DVD-Player.
Andererseits sind die Erkenntnisse (zumindest aus meiner Sicht) mitunter so bizarr so unvorstellbar,daß sie sich meinem Verständnis ,meinem Vorstellungsvermögen schlicht entziehen.

Und das beginnt eigentlich schon beim altbekannten Doppelspaltversuch.
Was ist nun zB ein Elektron (u.a. auch im Doppelspaltversuch verwendet) ???

Es ist eine "Superposition" von möglichen Zuständen,klingt schon mal esotherisch für mich,nur als Beispiel.
Es wird dann zu einem klar definierten Teilchen,wenn ich es beobachte...

Ist es nicht zutiefst menschlich,daß man eben versucht sich zu erklären,was man mit dem "gesunden Menschenverstand" nicht mehr begreifen kann?

In sofern muß man,wenn man sich täglich mit der Physik der Elementarteilchen beschäftigt nicht eben,weil man ein Mensch ist,weil man erklären will,erklären und deuten muß eben auch irgendwann zum Spekulieren kommen ??
Fragen wie:
[list]Ist die Welt real?
Was ist eigentlich Materie?
Was ist zB ein Elektron?
usw usw
[list=]

Man kann Dinge dann zwar bezeichnen (zB Superposition),man kann sie berechnen(zB die Wellengleichung eines Elektrons),aber hat man sie damit erklärt und verstanden ?

Ich behaupte hier einfach mal ganz frech:
Wer behauptet,er hätte den Doppelspaltversuch wirklich verstanden,macht sich selbst,macht anderen etwas vor.

Das heißt nun nicht,daß man einerseits an der aktuellen Physik zweifeln sollte,den naturwissenschaftlichen erkenntnistheoretischen Ansatz,der sich eben immer und immer wieder bewährt hat nun verwerfen sollte und sich seinen Klangschalen und Mantren zuwenden sollte.

Anderseits finde ich es unabdingbar,daß man eben auch als Naturwissenschaftler,als Physiker um eine Deutung der Erkenntnisse auch aus philosophischer,ja sogar aus religiöser und "esoterischer" Sicht stellt.

Wichtig fände ich hier,daß man sich eben immer bewußt ist,auf welcher Ebene man argumentiert,man diskutiert.

Wenn man "philosophiert" sind die Gedanken frei,alles kann erdacht,alles gesagt werden.
Wenn man forscht,sollte man sicherlich nur auf Grundlage der anerkannten Theorien argumentieren.

Wenn man das vermischt,führt das zu keiner neuen Erkenntnis,sondern eher zu Beliebigkeit.

Aber beides ist wichtig und notwendig,wie schon geschrieben ist auch Philosophy,Religion eben aus dem Grunde für uns Menschen so wichtig,als wir das unbedingte Bedürfnis haben zu verstehen,zu begreifen.

In der Geschichte der Menschheit gibt es (aus Sicht der Paläoantropologen) einen Punkt,an dem eine sogenannte Kognitive Revolution stattfand.

Der Mensch war plötzlich in der Lage Dinge zu erfinden,sich Dinge auszudenken.
Die Menschen etwickelten Religionen zur Erklärung der Welt.

Man kann sicher argumentieren,daß Religion im Gegensatzzu den Naturwissenschaften erkenntnistheoretisch ein eher wenig weiterführendes Denkmodell sind.

Ein Paläontropologe würde dem entgegenhalten,daß eben erst die "Erfindung der Religion" den Menschen erlaubte in Ihren Stammesgemeinschaften einen einigenden Mythos zu "erfinden".

Erst durch die kognitive Revolution,durch die Erfindung von Religionen,war es denn Menschen möglich,in größeren Gemeinschaften,als den bisher vorherschenden Großfamilien,respektive Sippen zusammenzuleben.

Erst so konnten Dörfer entstehen,konnten sich Städte bilden,konnte eine auf diesen Mythen beruhende Hirarchie und Arbeitsteilung Einzug halten.

Auch wir in unserer modernen Welt haben unsere Mythen,die es uns zB als Staat Bundesrepublik zusammenzuleben.
Demokratie,Menschenrechte,Recht,Geld und eben letztendlich auch Naturwissenschaft,auch Physik sind aus dieser Warte heraus nichts anderes als "moderne Mythen".
Alle diese Mythen haben einen Sinn,sie dienen aus soziologischer Sicht einem ganz praktischen Zweck.

Wenn wir nicht an Geld glauben,bricht unsere Wirtschaft zusammen,ohne den Glauben an Gesetze herschte Anarchie und ohne die Physik,ohne die Quantenphysik gäbe es keine Transistoren und keinen Computer,auf dem ich diesen Beitrag gerade schreibe.

Ich selbst bin sicher nicht religiös,und mir ist bewußt,daß durch die Religionen viel Leid,viel Verblendung,viel Unheil auf diese Welt gekommen ist.
Aber ob die auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden technischen Fortschritte der jüngeren Vergangenheit immer zum Nutzen der Menschheit gewesen sind möchte ich doch durchaus eben auch bezweifeln.

Fazit:
Wir können nicht anders.Wir sind durch die "kognitive Revolution" dazu verdammt,zu erklären,zu erforschen,verstehen zu wollen.