AKW - Ja oder Nein ?


Hier ist Platz für alle physikalischen Themen, die nicht so recht in die obigen Kategorien passen. Legt hier gerne neue Themen an, bei deren Einordnung ihr unsicher seid. Wir verschieben sie dann an den richtigen Platz.

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Neutrino

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Beitrag So 27. Mär 2011, 18:16

AKW - Ja oder Nein ?

Hallo Leute,

angeheizt durch die schrecklichen Ereignisse in Japan durch Erdbeben, Tsunami und den sich immer noch im kritischen Zustand befindlichen AKWs in Japan, ist auch hier in Deutschland die Debatte über die Stilllegung von AKWs in ganz Dtl wieder laut geworden. Ich wüsste gerne mal eure Meinung Rund um AKWs, erneuerbare Energien, Kernenergie ja/nein, etc. Was findet ihr positiv, was negativ an der aktuellen Entwicklung hier in Deutschland bezüglich der Strompolitik?

Viele Grüße,

Mr. M.
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langlebiges Kaon

Beiträge: 476

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Beitrag Mo 28. Mär 2011, 08:07

Re: AKW - Ja oder Nein ?

Hallo Mr. M.,

Ich habe zu diesem Themenkreis bereits zwei Blogbeiträge verfasst: Die Angst vor dem Atom und Kernenergie: Ist die Natur beherrschbar?

Meiner Ansicht nach ist es mit einem klaren Ja oder Nein nicht getan. Zunächst muss man sehen, was genau in Fukushima geschehen ist und inwieweit dortige Probleme hier hätten entstehen können. Dabei geht es nicht primär um die Frage nach einem Erdbeben und folgendem Tsunami, sondern um die Frage, ob unsere Kernkraftwerke die Spaltprodukte unter Kontrolle halten könnten, wenn durch irgendwelche Umstände (Naturkatastrophen oder Terroranschläge) die Kühlung für längere Zeit ausfällt.

Zum anderen brauchen wir ehrliche Diskussionen über die Alternativen. Das Problem ist ja, dass Strahlenschäden gegenüber anderen möglichen Gefahren extrem überhöht wahrgenommen werden. Strahlung macht den Menschen offenbar mehr Angst als ähnlich krebserregende Mengen von Rauchentwicklung.

Wichtige Fragen wären: Wodurch genau sollen KKW ersetzt werden? Wenn das Kohlekraftwerke sein sollten, halte ich das für eine schlechte Idee. Dass der Ersatz nur durch Wind, Wasser und Sonne möglich ist, halte ich für unwahrscheinlich. Und wenn in den erneuerbaren Energien ein großer Anteil an Verbrennung von Biomasse eingeht, dann könnte das negative Auswirkung auf die Versorgungslage mit Lebensmitteln in den Schwellenländern und der dritten Welt geben. Das können wir auch nicht wollen. Wir wollen nicht Brennstoffe in Konkurrenz zu Lebensmitteln herstellen und eigentlich möchte auch niemand eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft.

Der anderer Aspekt ist die Endlagerung und oder Verwertung der halb und ganz ausgebrannten Kernbrennstoffe. Selbst wenn heute alle KKW vom Netz gehen, muss man einen Weg finden, mit den hochradioaktiven Abfällen umzugehen. Im Moment ist politisch weder Weiterverarbeitung noch Endlagerung von Brennstoffen durchsetzbar. Eines davon brauchen wir aber. Ein Festhalten an der Kernenergie ist auch nicht durchsetzbar. Deshalb tun die Parteien gut daran, wenn sie alles Versuchen, möglichst schnell aus der Kernkraft auszusteigen. Nur fehlt eine ehrliche Abschätzung der Folgen. "Es wird schon irgendwie gehen", ist im Moment das Motto. Ich wüsste gern wie.

Gruß,
Joachim

Pi-Meson

Beiträge: 183

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Beitrag Mo 28. Mär 2011, 09:32

Re: AKW - Ja oder Nein ?

Unsere Kernkraftwerke sind ja vermutlich relativ sicher, d.h. gegen die meisten Fehler redundant abgesichert - mal vielleicht abgesehen von Flugzeugabstürzen oder unerwartet starken Erdbeben. Aber dieses vermaledeite "Restrisiko" bleibt halt. In Japan wurde es relevant durch Kombination von Erdbbeben, Tsunami und vielleicht auch Schlamperei des Betreibers bei den allfälligen Übverprüfungen (wie man hört). Sicher wird genau dieser Fall hier bei uns kaum auftreten; dennoch können wir auch hier keine exotischen oder Doppelfehler gänzlich ausschließen. Das Restrisiko bleibt also; die Frage ist, ob es verantwortbar ist.

Ehrlich gesagt, ich habe meine Zweifel. Aber es wird sicher noch Monate dauern bis man die Situation in Japan besser bewerten kann. Wir werden sehen, ob größere Landstriche auf Jahrzehnte verstrahlt sein werden wie in Russland oder der Ukraine. Ob die Bewohner der bereits evakuierten Zone jeh in ihre Heimat zurückkönnen, erscheint mir fraglich.
Was sind die Konsequenzen der Verseuchung des Ozeans, etc. etc.?

Gruß,
Uli

Anti-Myon

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Beitrag Mo 28. Mär 2011, 23:42

Re: AKW - Ja oder Nein ?

Ich denke auch, dass unsere Kraftwerke ein wenig sicherer sind (wie oft gibt es bei uns Erdbeben oder Tsunamis?), wenn wir also durch einen Gau verstrahlt werden, dann vermutlich eher von einem Nachbarland wie beispielsweise der Tschechei. Dort gibt es noch Reaktortypen, die dem von Tschernobyl aehneln und bei denen Graphit als Moderator eingesetzt wird (Moderatorwirkung nimmt mit steigender Temperatur zu), was offensichtlich eine der Hauptursachen fuer diesen Vorfall war. Mit Wasser als Moderator sollte sowas nicht passieren (Moderatorwirkung nimmt mit steigernder Teperatur ab), dennoch kam es in Fukushima zu einer teilweisen Schmelze und das obwohl das Kraftwerk ein Leichtwasser-Reaktor ist, also inherent vor Schmelzen sicher sein sollte. In gewisser weise verwirrt mich das ein wenig, ich vermute dass da auch andere Materialien als Modertor zum Einsatz kamen... hab da was von MOX-Brennelementen gelesen...http://de.wikipedia.org/wiki/MOX-Brennelement

Wind, Wasser und Sonne koennen genug Energie liefern, nur nicht von heute auf morgen, denn man muss viel in Infrastruktur (Energie-Speicher und Transport) investieren und neue Speichertechnologien vorrantreiben. Auch ist es interessant ob, das Projekt Solarenergie in Afrika zu gewinnen und nach Europa zu leiten Erfolg haben wird. Die Sahara scheint gut dafuer geeignet zu sein Sonnenenergie zu ernten.
Viele Gruesse
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langlebiges Kaon

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Beitrag Di 29. Mär 2011, 08:02

Re: AKW - Ja oder Nein ?

Hallo blablubbb,

blablubbb hat geschrieben: Mit Wasser als Moderator sollte sowas nicht passieren (Moderatorwirkung nimmt mit steigernder Teperatur ab), dennoch kam es in Fukushima zu einer teilweisen Schmelze und das obwohl das Kraftwerk ein Leichtwasser-Reaktor ist, also inherent vor Schmelzen sicher sein sollte. In gewisser weise verwirrt mich das ein wenig, ich vermute dass da auch andere Materialien als Modertor zum Einsatz kamen...


Nein, die Restwärme war hier das Problem. Ein Leichtwasserreaktor ist inherent Sicher vor einer unkontrollierbaren Kettenreaktion. Die Kettenreaktion erlischt selbsttätig, wenn das Wasser zu heiß wind. Selbst ohne Steuerstäbe. In Fukushima war das aber nicht das Problem. Es hat nach dem Erdbeben eine ordnungsgemäße Schnellabschaltung gegeben. Die Kettenreaktion des Reaktors war noch vor eintreten der Katastrophe erloschen und konnte auch nicht wieder starten.

Jedoch gibt es auch in den nicht mehr spaltenden Brennstäben noch so viele radioaktive Endprodukte, dass große Wärmeentwicklung eintritt, die noch Monatelang aktiv gekühlt werden muss. Das Problem in Fukushima war der Ausfall der Kühlung durch den Tsunami und die Tatsache, dass die Infrastruktur um den Reaktor so weitgehend zerstört war, dass keine schnelle Reparatur möglich war. Ich nehme an, dass es in ein paar Monaten Veröffentlichungen über den genauen Ablauf gegen wird. Im Moment vermute ich, dass es zur Wasserstoffexplosion kam, als Druck aus dem überhitzenden Kern abgelassen werden musste. Aber genaues weiß wohl niemand.

Gruß,
Joachim

Positron

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Beitrag Do 31. Mär 2011, 23:03

Re: AKW - Ja oder Nein ?

AKW - Ja oder Nein

Für mich - Nein, keine neuen AKW's mehr.
Es gibt im Moment schon genug "verbrauchte" Brennstäbe, die "wohin" müssen, und deren Bestandteile
10000 de Jahre hoch radioaktiv sind. Ein solches Erbe ist mE nicht acceptable.
(In der schweiz zwischengelagert bei ZWILAG, in Deutschland bei Gorleben)

Wir beziehen weltweit ca 1/6 (~15%) Energie aus AKW's.

Leider ist der Anteil in Mitteleuropa sehr hoch, in Frankreich ca 80 %, in der Schweiz ca 40%.
Da es im Moment wenig Alternativen zur Energieversorgung gibt, sollten wir auf Gas umschalten.
(Gas Kombi Kraftwerke), aktuell wäre man dann abhängig von z.Bsp. Russland, aber auch in Süddeutschland gibts vlt Bezugsmöglichkeiten. Wir hätten dann noch das CO/CO2 Problem, was mE eine kleineres Uebel ist.

Gruss, Lucas
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langlebiges Kaon

Beiträge: 476

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Beitrag So 3. Apr 2011, 19:39

Re: AKW - Ja oder Nein ?

Hallo Lucas,

Ich denke nicht, dass neue AKW überhaupt eine Option in Deutschland sind. Das wäre, selbst wenn die Vorteile überwältigend wären, politisch nicht durchsetzbar. Gas ist aber auch nicht die beste Alternative, da das Verbrennen von Erdgas mehr CO2 freisetzt. Damit können wir die Klimaschutzziele nicht einhalten. Es wird wirklich schwierig und langfristig werden wir um Energiesparen nicht herumkommen.

Gruß,
Joachim

kurzlebiges Kaon

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Registriert: Di 8. Jun 2010, 22:05

Beitrag So 3. Apr 2011, 20:04

Re: AKW - Ja oder Nein ?

Joachim hat geschrieben:Ich denke nicht, dass neue AKW überhaupt eine Option in Deutschland sind. Das wäre, selbst wenn die Vorteile überwältigend wären, politisch nicht durchsetzbar. Gas ist aber auch nicht die beste Alternative, da das Verbrennen von Erdgas mehr CO2 freisetzt. Damit können wir die Klimaschutzziele nicht einhalten. Es wird wirklich schwierig und langfristig werden wir um Energiesparen nicht herumkommen.

Wobei sich auch die Frage stellt, wie lange die Erdgasvorräte eigentlich reichen. Irgendwann muss man sich ohnehin etwas anderes überlegen.

Windkraft und Sonnenenergie sind hier massgeblich. Vielleicht noch Erdwärme, wobei hier berücksichtigt werden sollte, dass die hierfür notwendigen Bohrungen evtl. zu einer lokalen geologischen Instabiliität führen könnten. Dann ist da noch die Brennstoffzelle deren CO2-Bilanz ich persönlich nicht kenne und in Zukunft evtl. die Kernfusion.

Windkraft und Sonnenernergie haben aber das Problem, dass sie nicht immer in ausreichendem Maß verfügbar sind. Deren Energie muss also gespeichert werden. Wie soll man das in grossem Maßstab verwirklichen?

Bestimmt nicht mit Lithium-Ionen-Akkus. :lol:

Man könnte ein Wasserreservoir mit dem überschüssigen Strom auf ein höheres Niveau pumpen und dann bei Bedarf daraus Strom gewinnen.

Leider haben wir in Deutschland aber nicht genügend Freiflächen dafür. Genügend Berge auch nicht.

Gruss, Dagobert

Anti-Myon

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Beitrag Mo 4. Apr 2011, 15:49

Re: AKW - Ja oder Nein ?

Dagobert hat geschrieben:
Joachim hat geschrieben:Ich denke nicht, dass neue AKW überhaupt eine Option in Deutschland sind. Das wäre, selbst wenn die Vorteile überwältigend wären, politisch nicht durchsetzbar. Gas ist aber auch nicht die beste Alternative, da das Verbrennen von Erdgas mehr CO2 freisetzt. Damit können wir die Klimaschutzziele nicht einhalten. Es wird wirklich schwierig und langfristig werden wir um Energiesparen nicht herumkommen.

Wobei sich auch die Frage stellt, wie lange die Erdgasvorräte eigentlich reichen. Irgendwann muss man sich ohnehin etwas anderes überlegen.

Windkraft und Sonnenenergie sind hier massgeblich. Vielleicht noch Erdwärme, wobei hier berücksichtigt werden sollte, dass die hierfür notwendigen Bohrungen evtl. zu einer lokalen geologischen Instabiliität führen könnten. Dann ist da noch die Brennstoffzelle deren CO2-Bilanz ich persönlich nicht kenne und in Zukunft evtl. die Kernfusion.

Windkraft und Sonnenernergie haben aber das Problem, dass sie nicht immer in ausreichendem Maß verfügbar sind. Deren Energie muss also gespeichert werden. Wie soll man das in grossem Maßstab verwirklichen?

Bestimmt nicht mit Lithium-Ionen-Akkus. :lol:

Man könnte ein Wasserreservoir mit dem überschüssigen Strom auf ein höheres Niveau pumpen und dann bei Bedarf daraus Strom gewinnen.

Leider haben wir in Deutschland aber nicht genügend Freiflächen dafür. Genügend Berge auch nicht.

Gruss, Dagobert

Zur Brennstoffzelle: Damit wird keine Energie gewonnen, es wird lediglich Wasserstoff(/-haltiger) Brennstoff in Elektrizitaet umgewandelt. Das ist also nichts anderes als eine Verbrennung auf Umwegen, wie beim Entladen einer Baterie. Normalerweise wird Wasserstoff H2 einfach zu Wasser oxidiert, aber auch wasserstoffreiche Verbindungen wie Methan kommen als Energietraeger fuer Brennstoffzellen in Frage. Das Problem ist, dass der Brennstoff derzeit groesstenteils aus Erdgas gewonnen wird und somit ist eine Brennstoffzelle also lediglich eine Art Generator zur direkten Umwandlung von chemischer in elektrische Energie.

Das mit dem Wasser ist eine gute Idee. In Deutschland gibt es seit fast 100 Jahren diese sogenannten Pumpspeicherkraftwerke wie etwa am Kochelsee:
http://www.walchensee.net/de/museen.php ... rticle=240
Man mus dabei aber globaler denken und so wird geplant, dass man die gebirgigen Landschaften Skandinaviens als Pumpspeicherkraftwerke vermehrt einsetzt um Energie aus beispielsweise Deutschland zwischenzuspeichern. Soweit ich weiss befindet sich mindestens ein derartiges Projekt im fortgeschrittenen Planungsstadium oder wird sogar schon gebaut.

Eine weitere Idee an der geforscht wird sind Druckluft-Speicher. Man will alte Erdgas-Lagerstaetten oder Zwischenspeicher mit Druckluft fuellen und bei Bedarf mit dieser Druckluft eine Turbine antreiben und wieder Strom gewinnen. Hab dazu mal was in Spektrum der Wissenschaft gelesen... finde den Artikel gerade nicht... aber hab das hier gegoogel:
http://www.wdr.de/themen/wissen/1/energ ... hp?b=4&l=3

Zu den Lithium-Ionen Akkus: Nein das kann nicht klappen. Ich hab mal von einer Hochrechnung gehoert, dass das Lithium das derzeit wirtschaftlich abgebaut werden kann nicht mal ausreichen wuerde um alle Autos auf diese Technologie umzuruesten. Zudem ist Lithium auch fuer die von Dir erwaehnten Fusionskraftwerke ein im Moment nicht zu ersetzender Rohstoff, da Lithum zum Erbrueten von Tritum verwendet wird und es ist nicht absehbar, wann und ob die Fusionstechnologie so fortgeschritten sein wird um auf Lithium verzichten zu koennen... Lithium kann also in den naechsten 50 bis 100 Jahren knapp bzw teuer werden.
Viele Gruesse
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wjl

Anti-Myon

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Beitrag Di 19. Apr 2011, 10:47

Re: AKW - Ja oder Nein ?

Erdgas ist nicht das Problem, sondern das erträgliche Maß betreffend Klimawandel.
Du könntest Gas für die nächsten 200Jahre noch nutzen(Mengenreserve) aber die unerwünschte Nebenwirkung......
Mich stört die Problemverschiebung an dem Spiel, dass der Ärger mit den Brennstäben und Kühlung noch 10 tausend Jahre für unsere Nachkommen bereit liegt und der Steuerzahler aufkommen soll und nicht von Denen getragen werden soll, die von der Gewinnausschüttung der Stromkonzerne profitieren.
Die Fusion wird auch in tausend Jahren keinen Energie Gewinn einbringen und deswegen ist Sie hier fehl am Platz.

Anti-Myon

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Beitrag Di 3. Mai 2011, 15:21

Re: AKW - Ja oder Nein ?

wjl hat geschrieben:...Die Fusion wird auch in tausend Jahren keinen Energie Gewinn einbringen und deswegen ist Sie hier fehl am Platz.
Also ich kann nicht 1000 Jahre in die Zukunft blicken. Aber dass die Fusion mehr Energie einbringen als kosten kann, ist aber erwiesen. Die Frage ist vielmehr: "Wie wirtschaftlich wird es sein?" und diese Frage wird man erst in vielleicht 50 Jahren beantworten koennen. Zumindest kann es bei einem Fusionskraftwerk definitiv nicht zu einem Desaster wie in Tschernobyl oder Japan kommen.
Viele Gruesse
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wjl

Anti-Myon

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Beitrag Do 19. Mai 2011, 10:30

Re: AKW - Ja oder Nein ?

Wenn Fusion Verdrängung abstoßender Energie als Vorbedingung hat, so ist Nutzen zu aufwändig für Gewinn- bei der Fusion.
Ich will nicht schlechte Laune verbreiten aber ein Verlustgeschäft vermeiden.

Anti-Myon

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Beitrag Di 24. Mai 2011, 16:05

Re: AKW - Ja oder Nein ?

wjl hat geschrieben:... Verdrängung abstoßender Energie...

Diesen Ausdruck gibt es nicht. Was Du vermutlich meist ist, dass eine Potentialbarriere durchdrungen werden muss und da gibt es in der quantenmechanik schliesslich das Tunneln. Wenn man einen Blick an den Himmel wirft und dort die Sonne sieht, weiss man dass es kein Verlustgeschaeft ist, denn die strahlt und strahlt und strahlt Energie ab die aus Fusion stammt und auch im Labor kann man fuer sehr kurze Zeit mehr Energie erzeugen, als man reinsteckt, man muss "nur" noch eine Art Dauerbetrieb hinbekommen und wie und ob das gehen wird, werden ITER und DEMO zeigen.
Viele Gruesse
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Photon

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Beitrag Di 31. Mai 2011, 10:56

Re: AKW - Ja oder Nein ?

Hallo.

1970 war ich noch begeisterter Anhänger von Kernenergie (damals noch Atomenergie), schien sie doch die Lösung aller Energieprobleme. Atomangetriebene U-Boote oder Flugzeugträger, billiger Strom für jedermann. Ein Hoch auf die Technik.
Über die Jahre und Erfahrung hat sich meine Meinung gewandelt. Die für so unwahrscheinlich gehaltenen Super GAU sind doch wesentlich häufiger aufgetreten als prognostiziert.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass
- „kleinere“ „Unfälle“ erst gar nicht publik wurden oder doch zumindest als nicht so schlimm dargestellt wurden.
- Strahlenschäden ganz besonders hier in Deutschland doch als viel schlimmer wahrgenommen werden als sie wirklich sind.
- ein aus dem Ruder gelaufenes russisches Kernkraftwerk sicher nicht als Maßstab für potentielle Unfälle bei uns dient, weil unsere Kraftwerke um vieles sicherer sind!

Vielen Leuten ist heute allerdings bewusster geworden welche Risiken Kernkraftwerke bergen und was das verharmlosende, in der Politik gerne verwendete Wort „Restrisiko“ bedeutet. Japan ist ein High-Tech Land, dort ist nicht nur bei einem Reaktor ein Super GAU aufgetreten, sondern gleich bei mehreren. Wie wir momentan wissen mit kompletten Kernschmelzen, mit massiv ausgetretenem radioaktivem Material und mit Schäden an Mensch und Umwelt.

Ein Super GAU tritt erst dann auf, wenn das womit niemand gerechnet hat eintritt. Ich bin nicht ganz sicher ob man das so stehen lassen kann. Kommentare dazu wären mir hilfreich.

In Tschernobyl war es „menschliches“ Versagen? Dann frage ich mich, was denn sonst? Wenn eine Maschine kaputt geht ist es was? Egal.
In Japan war es eine Störgröße (Wasser-Welle) die Notstromaggregate kaputt macht. Hat also gar nicht geholfen Notstromaggregate 4-fach auszulegen, hätte auch nicht geholfen diese 100-fach redundant auszulegen. Blöde Störgröße! Das da noch mehr kaputt war ist sicher allen klar.

Alles egal, wir lernen aus Japan und machen damit unsere Kraftwerke sicherer – Basta.
Ich persönlich habe gelernt, dass wir mit dem rechnen müssen womit wir nicht rechnen. Ist jetzt etwas blöde ausgedrückt. Also der nächste Super GAU (den wir ja vermeiden wollen) in Deutschland tritt auf weil etwas eingetroffen ist mit dem niemand gerechnet hat. Beruhigend.

Thema Endlagerung. Wir suchen (oder haben wir schon mehrere gefunden) einen Platz an dem der strahlende Schrott 1 Mio Jahre lagern kann. Asse war ein Griff ins Klo (weil etwas eingetreten ist mit dem niemand gerechnet hat). Gorleben ist eines der potentiellen Lagerorte. Wir können vorausbe“rechnen“ wie sich das Gebiet die nächsten 10.000 de von Jahren verhält und was dort geschieht. Wenn trotzdem etwas passiert, dann nur weil niemand damit gerechnet hat 
Die Kosten kann man ja mal hoch“rechnen“. Bei 1 Mio Euro im Jahr wären wir bei 1 Bio. Euro. Grob die Hälfte unserer Staatsverschuldung. Probleme kommen on Top.

Thema Alte Kraftwerke. 1970 waren die noch nicht alt, da waren sie mindestens Stand der Technik. Quasi das Beste vom Besten. Systeme waren redundant oder mehrfach redundant ausgelegt, alle denkbaren Störungen wurden berücksichtigt, der größte anzunehmende Unfall abgedeckt. Heute sind die Dinger Schrott, absolut unsicher, abgeschaltet und kommen nie mehr ans Netz.
Wer ist so verwegen anzunehmen, dass man in 10 oder 20 Jahren von den heute aktuellen „sicheren“ Kraftwerken anders denkt?

Ich will meine Antipathie nicht weiter ausführen, jeder hat meine Position wohl verstanden.
Es gibt allerdings noch eine weitere Position die ich vertrete und die ich im folgendem verständlich machen will.


Alternativen gibt es. In Deutschland werden die Kernkraftwerke voraussichtlich in ca. 10 Jahren abgeschaltet. Fragt sich jetzt welche Alternativen und was sie Kosten (nicht nur an Geld, sondern auch an Schäden an Mensch und Umwelt). Vor ein paar Monaten noch mussten Laufzeiten verlängert werden weil es keine Alternativen gab. Sehr aufschlussreich.

Grundsätzlich gefällt mir der Gedanke regenerativer Energien. Sonnenenergie, Wellenkraftwerke, etc. in Wasserstoff umwandeln. Um uns herum Wasserstoffkraftwerke, Autos, Flugzeuge und Schiffe die mit Wasserstoff angetrieben werden.
Meine Gedanken gefallen der Ölindustrie aber nicht. Es gibt Ölquellen an die nicht jeder herankommt, aber Wasserstoff kann quasi jede Kommune erzeugen, was für ein Wettbewerb – igitt. 30 % Gewinn vom Umsatz ist mit Wasserstoff nicht zu erzielen!

Man müsste Geld in die Erforschung regenerativer Energien stecken, das würde Wirkungsgrade verbessern und neue Technologien ermöglichen. Aber gerade an Geld scheitert ja alles. Wobei, ein Windkraftwerk kann ich versichern (z. B. weggeschleuderte Eisklumpen die eine Kuh erschlagen) … war bei Kernkraftwerken nie ein Problem, die sind erst gar nicht versichert – weil es keine Versicherung gibt die Super GAU versichert 

Wir müssen eben Energie sparen. Nur, das können wir leider nicht, jedenfalls ich nicht. Ich lasse meinen Computer Tag und Nacht durchlaufen, ich spiele nämlich 4-Story und habe 24h am Tag meinen Shop offen. Fernseher ist auf Stand-by, den schalten wir nur im Urlaub aus. Esszimmer ist im Winter geheizt, Schlafzimmer auch. Ein kleines, spritsparendes Auto fahren, wäre ja blöde, fast wie kurze Strecken zu Fuß gehen. Hände mit kaltem Wasser waschen ist ja brrrrrr.
So über alles gesehen könnte ich natürlich Energie sparen, sogar ohne Probleme mit ein wenig bewussterem Handeln, ich könnte auch 20% an Energie sparen ich will es nur nicht! Aber ich will mich beklagen wenn Energie teurer wird.


Ich möchte die Frage einmal anders herum stellen. Warum sollte es nicht möglich sein innerhalb weniger Jahrzehnte auf 100% regenerative Energien zu wechseln? Wir haben genügend Sonne, Wind, Wasser, Wellen, … Wir müssen sie allerdings auch nutzen wollen. Was spricht dagegen Sonnenenergie, Windenergie, etc. da zu nutzen wo sie am stärksten ist. Was spricht gegen Wasserstoff. Warum sollten wir nicht bewusster mit Energie umgehen. Was ist uns die Umwelt wert und welches Bewusstsein haben wir überhaupt von der Umwelt?

Wir haben eine Verantwortung unseren Kindern gegenüber, so wie unsere Eltern eine Verantwortung uns gegenüber haben und hatten. Wie können wir es verantworten heute wertvolle Rohstoffe zu verbrauchen, radioaktiven oder giftigen Müll zu hinterlassen oder die Umwelt ganz allgemein nachhaltig zu versauen nur weil wir einfach mal über unsere Verhältnisse (siehe Energie sparen) leben wollen?
So wie wir heute schon an den Staatsschulden leiden (ca. 2.000 Mrd. €, mit ca. 100 Mrd. € jährlicher Zinslast) so sollen zukünftige Generationen wohl auch an unseren Hinterlassenschaften leiden?

Das sollte man vielleicht einmal bedenken wenn man darüber spricht ob wir uns einen Ausstieg aus einer Kernenergie leisten wollen und über regenerative Energien sprechen.

Ich würde mir wünschen wenn hier einmal fundierte Zahlen und Fakten genannt würden, zumindest was bekannt ist. Was kostet regenerative Energie (was dagegen Kernkraft, mal zum Vergleich hier in Deutschland und in Japan [inkl. den Super GAU]) (Ukraine bezahlt heute noch 5% = 1/20 ihres BSP für die Havarie vor 25 Jahren), warum können wir nicht mit Wasserstoffautos fahren, …?

An alle die bis hierhin gelesen haben. Vielen Dank und bitte zerreißt mich nicht. Ich meine es ja nicht böse und meine Meinung ist ja auch nicht festgefahren. Ich bin offen für andere Meinungen und Gegenargument, für konkrete Berechnungen und technische (oder physikalische) Hintergründe.

Gluon

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Beitrag Di 31. Mai 2011, 15:00

Re: AKW - Ja oder Nein ?

Ein Super GAU tritt erst dann auf, wenn das womit niemand gerechnet hat eintritt. Ich bin nicht ganz sicher ob man das so stehen lassen kann.

Damit bin ich nicht ganz einverstanden. Erdbeben in Japan sind keine Ungewöhnlichkeit. Dass Erdbeben Tsunamis verursachen können bekannt. Ebenso dürfte klar sein, dass wenn es zum Ausfahl der Kühlung kommt, es Probleme gibt. Diese Grundinformationen dürften bekannt sein. Interessant ist zu erwähnen, dass selbst für Japan dies das stärkste Erdbeben seiner Geschichte gewesen ist, sodass es eine Stärke hatte, für die selbst die erdbebensichere Gebäude nicht gebaut worden sind. Die AKWs werden automatisch abgeschaltet und zeigen sich unbeeindruckt. Auch die anschließende Tsunami-Welle konnte nicht der Konstruktion schaden aber legte die Kühlung flach. Beim Vergleich der unterschiedlichen (ohne jetzt Katastrophen zu relativieren) Katastrophen fällt mir ein Beispiel aus dem Physikunterricht ein:
Auf den Hinweis auf die Gefahr bei einer Beschädigung einer Gasflasche beim Transport, erwiderte der Lehrer, dass wenn es zu einem Unfall kommt, die Gasflasche im Fahrzeug das sicherste ist(1) und es deutlich einfachere und effektivere Möglichkeiten gibt eine Explosion zu erzeugen.(2)
Aus (1) folgt, ganz unabhängig von der Korrektheit in diesem speziellen Fall, der Gedanke, dass man mit der Sicherheit ins Groteske gehen kann. Sprich was musste in Japan (umso interessanter ist die Panik Deutschlands) geschehen/wie viele Toten forderten die Tsunami-Welle und das größte Erdbeben in Japans Geschichte, damit (bisher) mehrere dutzend Personen sowie Nahrungsmittel eine gefährliche Strahlendosis (zu beachten ist jedoch, dass jede Dosis ein Risiko birgt) bekommen hatten, wobei anzumerken ist, dass ein 2.Tschernobyl nicht vorliegt (empfehle die Artikel von Joachim und Markus Pössel bei WissensLogs zu diesem Thema). Wie weit will man also mit der Sicherheit überhaupt gehen?
Sollen die AKWs (am besten auch natürlich die deutschen Windräder) also Erdbebensicher (der Stärke 451), Atomkriegsicher, Meteoriteneinschlagsicher, Sintflutsicher etc? (aufgrund des Katastophenvergleiches dürfte klar sein, warum der Gedanke in umgekehrter Richtung nicht funkioniert). Nullrisiko gibts bekanntlich nicht
(2) Setzt dem noch eins drauf: Bei uns im Sowi-Unterrichthat der Lehrer beim Thema Steuern einmal gesagt, dass "die Erhöhung der Steuern auf Konsumgüter den (ökonomisch) negativen Effekt hat, dass der Konsum reduziert werden könnte . Beispiel: Tabaksteuer." Dazu gab es übrigens einen Artikel im Spiegel. Das ist phänomenal, ob passiv oder aktiv, es wird (nicht einmal in 30 Jahren sondern täglich) an jeder Ecke geraucht und Acrylamid scheint längst vergessen zu sein ABER beim Blick auf ein AKW in der Glotze erstarrt so mancher vor Ehrfurcht. Sie sind die stillen Killer, die uns irgenwann alle umbringen und AIDS, Tornados, Bürgerkriege (früher v.a. Lybien), Hungersnöte von den Titelseiten der Nachrichten verschwinden lassen.
Dieses Verrennen in die AKW-Problematik, die sich demnächst ohnehin verflüssigt, ist nicht nur mE unangemessen, sondern auch noch gefährlich, weil effizientere (nicht wichtigere) Methoden in den Hintergrund rücken.
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